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Es begab sich im Jahre 1989: Ich arbeitete damals als Sozialpädagoge in einer Wohngruppe des CJD und betreute dort Jugendliche mit z.T. besonders großen Problemen. Eines Tages kam uns im Mitarbeiter-Team die Idee, unser Hobby mit den beruflichen Gegebenheiten zu verbinden. Wir wollten damals mit den Jugendlichen auf einem nahen Acker, mit selbst zusammengebastelten Mopeds, Moto Cross fahren. Der Zufall spielte mir damals günstig eine 73iger Yamaha TY 250 in die Hände. Nun war das ja kein Moto-Cross Bike. Nach den ersten Runden auf unserem frisch gepflügten Acker wurde uns das dann auch klar. Die TY 250 war nämlich ein Trial-Motorrad!
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Bei uns ging es zunächst sehr bescheiden zu ...
Zu Beginn standen uns zwei alte Trial-Motorräder zur Verfügung. Schon zu damaligen Zeiten waren diese Motorräder Museumsstücke. Aber das tat dem Spaß keinen Abbruch. Zunächst wurde die meiste Zeit mit "Schrauben" und basteln verbracht.
Mit den Jugendlichen gemeinsam verwandelten wir unseren Acker in ein Trial-Gelände. Mit einem alten Trecker und mit Hilfe von Werner, dem guten Geist des Hauses, wurden Löcher, Kuhlen und Sandhaufen in den Acker gefräst.
Unsere anfänglichen Fahrversuche mussten ziemlich erbärmlich ausgesehen haben. Aber im Laufe der Zeit lernten wir alle dazu. Als Pädagoge hat es mir besonders viel Freude bereitet zu sehen, wie die sehr schwierigen und z.T. disziplinlosen Jugendlichen auf einmal überaus umsichtig miteinander umgehen konnten. Außerdem lernten sie schnell, dass es nicht darauf ankam möglichst rasant über die Hindernisse zu "bügeln", sondern dass man mit geringer Geschwindigkeit viel mehr Erfolg hatte.
Eine beliebte Übung bestand darin, stehend auf dem Motorrad möglichst lange zu balancieren, ohne einen Fuß auf die Erde zu setzen. Einige unsere Jugendlichen richteten ihr ganzes Leben nach den Erfordernissen des Trialfahrens aus. Als Pädagogen ermöglichte uns diese Tatsache, sie über dieses Medium auch für nicht so erfreuliche Dinge zu motivieren. Wer Trialfahren wollte, musste eben auch regelmäßig in die Schule gehen. So gab es einige Anforderungen, die jeder zunächst erfüllen musste, um am Trialfahren teilnehmen zu dürfen.
Bald reichte der Acker nicht mehr aus. Unsere erlangten Fahrfähigkeiten verlangten nach richtig schwierigem Gelände. In einer nahen Sandkuhle waren die Bedingungen wesentlich besser. Dort ging es an manchen Nachmittagen richtig zur "Sache". Außerdem spendierte uns unsere Einrichtung zwei gebrauchte modernere Maschinen. Diese Motorräder waren schon reinrassige Geländesportgeräte. 250 ccm, 12 PS und 85 Kilo Maschinengewicht erlaubten es, nahezu senkrechte Steilhänge hinaufzufahren.
Einige unsere Jugendlichen hatten es bereits bis zur Wettbewerbsreife gebracht. In einem Trial-Turnier hatten sie die Möglichkeit, sich mit anderen Trialfahrern zu messen.
Die Veranstaltung führten wir in Zusammenarbeit mit dem Verein Jugendhilfe e.V. durch. Während des Turniers erschien überraschend der NDR, um eine Sendung über uns zu machen. Ohne Vorbereitung musste ich für ein Interview bereitstehen. Video-Datei,
ca. 4,5 Megabyte Ein Höhepunkt war es immer wieder, einen unserer selbstgebauten Käfer- "Buggys" zu überfahren. Nicht ganz einfach, wie man sehen kann. Aber vor allem eine echte Mutprobe. Hierbei galt es, den "inneren Schweinehund" zu überwinden.
Für unsere Jugendlichen war diese Zeit mit unvergesslichen Erlebnissen und Erfahrungen verbunden. Gerade das gemeinsame Lernen und Überwinden von Ängsten, Frust und das Erleben der eigenen Grenzen gibt vielfältige Möglichkeiten der pädagogischen Intervention, auch in anderen Lebensbereichen.
Was kann Trialfahren bei Jugendlichen bewirken?
Der Transport ins Gelände war manchmal etwas beschwerlich. Unser Hänger war immer schwer beladen. Neben den Maschinen mussten wir viel Werkzeug mitnehmen, um kleine Schäden im Gelände sofort beheben zu können. Bei unserem zweiten Trialturnier war das Überfahren des Käfer- "Buggys" als Sonderprüfung vorgesehen. Das war eine Mords-Gaudi und hat allen viel Spaß bereitet.
1996 gab es wieder ein neues gebrauchtes Motorrad. Dieses mal eine Beta Zero. Die ist Wassergekühlt, hat einen Alu-Rahmen und eine Upside-down Gabel. Außerdem hat sie mehr Leistung und ist leichter als die Alten. Zunächst dürfen nur die geübteren Fahrer das neue Motorrad benutzen. Wir überlegen, ob wir einen Abreißschalter für die Zündung montieren oder einen großen Kippschalter am Heck befestigen. Diese Maßnahme soll die Zündung im Notfall unterbrechen wenn das Motorrad mit dem Fahrer "durchgeht". Auch eine Übung: Man überfährt ein Hindernis, ohne es mit den Reifen zu berühren. Dafür muss man das Vorderrad, bzw. das Hinterrad leicht anheben.
1998 wurde wieder eine kurze Sendung über uns gemacht und im ZDF ausgestrahlt. Diesmal im Zusammenhang mit sozialpädagogischen Auslandsprojekten. Video-Datei,
ca. 1,5 Megabyte 1998 enden dann meine Aktivitäten beim Trialfahren. Andere Mitarbeiter übernehmen diese Aufgabe.
Das Uelzener Jugendhilfe-Forum 1999 schließt zunächst 10 Jahre Trialprojekt ab. Wenn man zurückblickt und über die vergangenen Jahre Bilanz zieht, ergibt sich aus sozialpädagogischer Sicht doch ein sehr positives Bild. Viele unserer betreuten Jugendlichen haben hier Erfahrungen gemacht, die sie sonst nie hätten machen können. Erfahrungen die durchaus auch auf andere Bereiche des Lebens übertragbar sind. |
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