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Reisebericht - Nordkap 11.06. - 26.06.2004 -- Teil 2

Freitag 18.06.

Trotz unserer Befürchtungen verlief die Nacht ruhig. Schon früh am Morgen wurden wir durch die Geräusche vorbeifahrender LKWs geweckt. Eine besonders lange Strecke hatten wir uns für heute nicht vorgenommen. Wir wollten nur noch über die Grenze nach Finnland und dort zu einem nahen Campingplatz am Inari-See.

Zunächst fuhren wir zu dem Grenzposten, wo wir schon am Tag zuvor waren. Ein junger russischer Soldat schaute uns erstaunt an. Offensichtlich interessierten ihn besonders unsere Motorräder. Er kontrollierte unsere Pässe und ging dann in seine kleine Holzhütte neben dem Schlagbaum. Nichts passierte. Wir konnten sehen, wie er telefoniert. Dann kam er heraus und stellte sich zu uns, lächelte uns an. Wir kamen uns vor, wie bestellt und nicht abgeholt. Doch dann kam aus einem  Feldweg ein Militär-LKW. Einige russische Soldaten sprangen von der Ladefläche. Wir waren erschrocken und dachten, sie wollten uns verhaften.

Ohne sich groß mit uns zu verständigen, stellten sich immer zwei von ihnen neben uns und ein anderer machte Fotos. Wir kamen uns vor wie im Zoo. Auch wir durften ein Erinnerungsfoto machen. Scheinbar war unsere Anwesenheit eine willkommene Abwechslung in dieser menschenleeren Einöde.

Danach fuhren wir kilometerweit durch Niemandsland. Die Seitenstreifen des Schotterweges sind frisch gehakt, vermutlich um feststellen zu können ob dort Illegale Grenzgänger unterwegs waren. Die eigentliche Grenzkontrolle verlief sehr gründlich. Unser gesamtes Gepäck wurde peinlich genau durchsucht. An jeder Wasserflasche wurde gerochen, jeder Wäschebeutel durchwühlt. Um uns herum stand eine Schar bewaffneter Grenzposten. Das ist schon ein unangenehmes Gefühl. Mein GPS Gerät hatte ich vorsorglich tief in meiner Jacke verstaut, weil wir nicht wussten ob wir das Gerät mit über die Grenze nehmen durften. Die Halterung blieb jedoch am Motorrad. Uns fragte niemand danach, aber wir bemerkten, dass lebhaft über die "merkwürdige" Halterung am Lenker diskutiert wurde.

In Finnland sind die Straßen für uns in ungewohnt gutem Zustand. Wir nehmen den ersten Campingplatz am Inari-See, dem größten See Finnlands. Der Campingplatz ist fast leer aber sehr komfortabel. Wir mieten eine beheizbare Hütte. Nach einer ausgiebigen Dusche, sortieren wir unsere Sachen neu und warten unsere Motorräder.

Eine geplatzte Fischdose sorgte für die Schweinerei in unserem Küchenkoffer. Eine Halterung am Alu-Koffer hielt den Belastungen der schlechten Straßen nicht stand und musste mit einem Spanngurt zusätzlich gesichert werden. Ein Standrohr der Vorderradgabel litt unter unter Ölverlust. Neben der gerissenen Kette hatten wir noch einen beschädigten Hinterreifen, der jedoch bis nach Hause hielt. Das war die Schadensbilanz bis jetzt.

Nachts erlebten wir hier zum ersten mal die Mitternachtssonne. Es war herrliches Wetter, blauer Himmel und absolut windstill. Wir genossen dieses Naturschauspiel. Erst gegen 2 Uhr Nachts gingen wir in unsere warme Hütte.


Samstag 19.06.

Am nächsten Morgen, nach einem ausgiebigen Frühstück, machten wir uns auf den Weg zum Nordkap. Ungefähr 350 Km sind es noch. Im Vergleich zu dem was wir hinter uns haben, ein Klacks! Zunächst versorgen wir uns mit norwegischen Kronen. Hier in Skandinavien ist das Leben sehr teuer. Die Fahrt Richtung Norden verläuft ohne besondere Zwischenfälle. Man merkt jedoch deutlich wie sich das Klima verändert. Das Wetter bleibt zwar trocken aber die Temperaturen sinken kontinuierlich mit jedem Kilometer den wir uns weiter Richtung Norden bewegen.

Rentiere gibt es hier im hohen Norden überall. Häufig blockieren sie die Straße und bewegen sich nur mit Nachdruck weiter. Sie stehen hier unter Naturschutz und kommen, gerade in der Nordkap-Region sehr häufig vor.

Am späten Nachmittag erreichen wir das Nordkap. Die Landschaft ist wirklich grandios. Auf dem Hochplateau liegt  z.T. noch Schnee. Wir zahlen unseren Obolus am Parkplatz vom Nordkap-Felsen. Das Ticket gildet für 48 Stunden. Jetzt am Nachmittag sind kaum Menschen hier. Das klare, kalte Wetter lässt auf eine wunderschöne Mitternachtssonne hoffen.

So ist es dann auch! Das Nordkap zeigt sich von seiner besten Wetterseite. Allerdings zieht das schöne Wetter auch jede Menge Touristen an. In Massen werden sie in Bussen herbeigebracht. Keine Spur mehr von der Einsamkeit des Nachmittags.

Im Kino des Nordkap-Gebäudes sahen wir uns einen sehr interessanten Film über die Natur rund um das Nordkap an. Zu unserer Überraschung trafen wir unsere Bekanntschaften aus Rostock  wieder. Vor über einer Woche hatten wir die beiden dort kannengelernt, als wir auf die Fähre nach Finnland warteten. Zufälle gibts!

Schon bei der Ankunft hatten wir uns eine Hütte gemietet. Zum Zelten war es uns zu kalt. Als wir in der Nacht  vom Nordkap-Felsen herunterkamen, überraschten uns norwegische Polizisten mit einer Alkoholkontrolle.

 


Sonntag 20.06.

Morgens schlafen wir erst einmal aus und brechen dann in Richtung Süden auf. Die nächsten 80 Km fahren wir auf gleicher Strecke zurück wie wir gekommen waren. Danach biegen wir Richtung Westen ab. Der Streckenabschnitt bis Narvik, auf der E6, ist sehr kurvenreich und landschaftlich sehr reizvoll. Die Straße  schlängelt sich an den Fjorden entlang und bietet ständig wechselnde Perspektiven. Das Wetter bleibt gut und so genießen wir diesen Tag.

Andreas Motorrad springt immer schlechter an. Es qualmt bei jedem Startversuch schwarz aus dem Auspuff. Wir stellen den Vergaser neu ein und wechseln die Zündkerze. Danach läuft das Motorrad etwas besser. 

Am Abend finden wir einen wundervollen Platz zum Zelten direkt am Wasser. Wir beschließen, am nächsten Tag einen Abstecher auf die Lofoten zu machen.


Montag 21.06.

Am nächsten Tag fahren wir bis kurz vor Narvik und biegen dann Richtung Westen ab. Im strömenden Regen überqueren wir mehrere,  z.T. sehr abenteuerlich gebaute Brücken. Obwohl es nicht nach besserem Wetter aussieht, geben wir die Hoffnung auf Sonnenschein nicht auf. Angeblich sind die Lofoten das regenreichste Gebiet Europas. Zumindest im Augenblick, glauben wir das aufs Wort!

Um auf die Lofoten zu gelangen müssen wir das letzte Stück mit einer Fähre übersetzen. Schon von weitem können wir erkennen, dass sich das Wetter tatsächlich bessert.

Als wir im Hafen einliefen, kam die Sonne heraus. 160 Km sind es bis zur Südspitze der Lofoten. Die Fahrt über die Inselkette war wirklich ein Genuss. Die Landschaft hier ist sehr gebirgig, erinnert manchmal an tropische Karibikinseln. Nur so warm ist es nicht. Die Strecke ist sehr kurvenreich und macht sehr viel Spaß mit dem Motorrad. Das wir nun auch noch Sonnenschein haben, ist wirklich ein Glück.

Unterwegs trafen wir Fischer, die ihren getrockneten Stockfisch "ernteten". Interessant war es, die Tiere einmal aus der Nähe zu sehen. Ein besonderes Erlebnis ist auch das kleine Fischerdorf "Å", ganz an der Südspitze der Lofoten. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Die Menschen hier führen ein sehr beschauliches Leben, fernab von Hektik, Stress und technischem Fortschritt. 

Im Dorf gibt es einen kleinen Campingplatz mit wunderschönem Ausblick auf das Meer. Hier schlagen wir für heute unser Zelt auf. Auf dem hügeligen Gelände einen halbwegs ebenen Platz zu finden war nicht einfach. Es sprechen uns einige Leute an. Es wird erzählt und wir fühlen uns wohl.


Dienstag 22.06.

Wir brechen sehr früh auf, weil wir angst haben, die Fähre für die Überfahrt zum Festland könnte ausgebucht sein. Unsere Befürchtungen sind berechtigt. Als wir am Hafen ankamen, war die Warteschlange schon sehr lang. Einige LKW-Fahrer hatten hier übernachtet, um sich frühzeitig einen Platz auf dem Schiff zu sichern. Während der Wartezeit trafen wir einen Radfahrer, der von Deutschland aus die ganze Strecke bis zum Nordkap und zurück bis zu den Lofoten mit dem Rad gefahren ist. Wir wussten nicht, ob wir ihn bewundern oder bedauern sollten. Auf jeden Fall ist eine solche Leistung sehr bemerkenswert und mit unserer Fahrt nicht vergleichbar.

Die Überfahrt verlief ruhig. Das Wetter auf dem Festland war leider nicht mehr so schön. Sonne und Regen wechselten, so dass wir aus unseren Regenklamotten kaum noch heraus kamen.

Einige Kilometer südlicher überqueren wir den norwegischen Polarkreis. Er verläuft auf einem Hochplateau. Hier liegt Schnee und es ist bitter kalt. Die Norweger haben daraus eine touristische Sehenswürdigkeit gemacht. Neben vielen Informationen kann man hier Andenken kaufen, bis zum Abwinken.

Als Polarkreis bezeichnet man eine gedachte Linie, ab welcher nordwärts die Sonne ab dem 21. Juni nicht mehr untergeht. In Richtung Süden wird es nachts mehr oder weniger dunkel. Es scheint hier üblich zu sein, kleine Pyramiden aus Steinen zu bauen und seinen Namen darauf zu schreiben. Auf einem nahen Geröllfeld finden wir jede Menge davon.

Das Wetter bleibt leider wechselhaft. Unsere durchnässten Sachen müssten mal getrocknet werden und deshalb suchen wir uns bald eine warme Hütte.


Mittwoch 23.06.

Der nächste Tag verläuft ohne besondere Vorkommnisse. Wir haben den Eindruck, wir sind nun endgültig auf der Rückfahrt nach Hause. Unsere Sachen bleiben zunächst trocken aber bald wird das Wetter wieder schlecht. Es regnet ununterbrochen! Zu allem Überfluss reißt Andreas Regenjacke am Reißverschluss kaputt. Wir müssen für teures Geld Ersatz besorgen.

Unsere Fahrt führt uns bis kurz hinter Trondheim, wo wir auf einem Campingplatz unser Zelt aufschlagen. Am Abend hat der Regen aufgehört. Andreas telefoniert lange mit seiner Familie. Wir haben den Eindruck schon fast zu Hause zu sein.

Auch die XT lässt schon ein wenig ihre "Flügel hängen". Die Ventile klappern, das Reifenprofil ist am Ende und einen Hochdruckreiniger könnte sie auch mal vertragen. Ich hoffe nur, wir bekommen in Deutschland, wegen der Reifen keinen Ärger.


Donnerstag 24.06.

Im Radio hören wir, dass über Südnorwegen, Schweden und Norddeutschland seit langem ein Tiefdruckgebiet fest hängt. Für uns bedeutet das nichts Gutes.

Während es bei unserer Abfahrt noch trocken ist, fängt es bald in Strömen an zu regnen. Wir quälen uns durch das Sauwetter.

Mein Motorrad läuft immer schlechter, bis ich an einer Tankstelle anhalten muss. Nach der Demontage des Luftfilters stellen wir fest, dass das Luftfiltergehäuse voll Wasser gelaufen ist. Wo das Wasser herkommt, können wir zunächst nicht feststellen. Nach der Trockenlegung läuft das Motorrad wieder, jedoch nicht lange. Das Spielchen wiederholt sich mehrmals. 

Die Ursache fanden wir dann doch noch: Die Sitzbank hatte sich voll Wasser gesogen. Durch zwei Luftlöcher unter der Sitzbank, wurde das Wasser in den Luftfilter gedrückt. Mit Isolierband und einer alten Plastiktüte konnten wir das Problem lösen.

Nun steht es mit unserer Stimmung nicht mehr zum Besten. Es regnet bis zum Abend. Eine Hütte zum Übernachten finden wir nicht mehr. Auf einem Campingplatz in der Nähe von Oslo bauen wir unser Zelt im strömenden Regen auf. Auch was zu Essen bekommen wir hier nicht mehr. Ein wirklich trostloser Ort.

 


Freitag 25.06.

Wir sind nun 2 Wochen unterwegs. Morgens regnet es immer noch wie aus Eimern. Wir müssen alle Sachen nass einpacken. Wir beschließen, keine Nacht mehr zu zelten, sondern möglichst durchzufahren, bis nach Hause.

Der Regen hört nicht auf. Der weitere Weg führt uns über Göteborg bis nach Malmö. Dort kommt zu dem Regen, noch starker Gegenwind hinzu. Auf der Brücke zwischen Schweden und Dänemark kommen wir sehr in Bedrängnis. Der Sturm ist so stark, dass wir fast die ganze Fahrbahnbreite brauchen um nicht weggeblasen zu werden. Diese Naturgewalten sind schon beeindruckend.

Wir sind nun entgültig durchgeregnet. Die GoreTex Jacken und das Regenzeug haben zum Schluss nichts genützt. Wir sind durch bis auf die Knochen. Ab und zu halten wir an einer Raststätte, um unsere nassen Sachen neu zu sortieren.

rgendwann spät in der Nacht, kommen wir in Lüneburg an. Wir sind völlig erschöpft aber trotzdem glücklich. Hier trennen sich unsere Wege. Ich war dann so um 1.30 Uhr zu Hause.

Alles in allem sind wir 6300 Km gefahren. Für diese kurze Reisezeit eine gewaltige Strecke.

 


Ende -- Teil 2

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