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| Reisebericht - Nordkap 11.06. -
26.06.2004 -- Teil 1
Freitag 11.06. Unserem kleinen Abenteuer steht nun nichts mehr im Weg. Wir treffen uns in Dannenberg, um unsere erste Etappe bis Rostock zu starten. Unser Schiff geht um 21.00 Uhr. Es soll uns von Rostock nach Hanko (Finnland) bringen und uns damit fast 1500 Km Fahrstrecke zu ersparen. Schon früh sind wir am Anleger. Um genau zu sein, wir sind die Ersten. Kurz nach uns treffen zwei weitere Motorradfahrer ein und stellen sich zu uns. Auch sie wollen zum Nordkap. Als wir ihnen von unserem Vorhaben erzählen, staunen sie nicht schlecht. Beneidet haben sie uns aber nicht. Auf dem Schiff wurden unsere Motorräder ordentlich vertäut. Die Überfahrt sollte immerhin 24 Stunden dauern, also die Nacht über und den nächsten ganzen Tag. Wir hatten keine Kabine gemietet, sondern nächtigten, mit Schlafsäcken ausgestattet, auf dem Fußboden, bei voller Beleuchtung, unter den Augen von 20-30 Mitreisenden auf kinoähnlichen Sitzplätzen. Die "Liegeplätze" auf dem Fußboden waren rar und heiß begehrt, insofern hatten wir noch Glück. Viel geschlafen haben wir in dieser Nacht nicht, dennoch war es angenehmer zu liegen, anstatt sich auf den Sitzen Rückenschmerzen zu holen. Morgens Frühstück an Bord, kaltes Büffet, dann spazieren wir an Deck auf und ab. Unter Deck spielte ein Musikerpärchen Oldies. Alles in allem ein langweiliger Tag aber ruhige See. Bei Ankunft im Hafen von Hanko regnet es. Dennoch sind wir froh, dass wir wieder ein Stück Motorrad fahren zu können. Es ist aber schon 18.00 Uhr und wir müssen uns bald einen Campingplatz suchen. Das fällt uns nicht schwer. In Finnland ist die Infrastruktur vorbildlich. Wir genießen die guten Straßen, wohlweißlich, dass es nicht so bleiben wird. Zelt aufbauen, das erste mal und die warme Mahlzeit aus dem mitgebrachten Proviant schmeckt uns. Unsere Laune ist gut.
Sonntag 13.06. Wir brechen früh auf. Die Sonne scheint. Heute wollen wir es bis zur russischen Grenze schaffen. In die RF einreisen wollen wir aber erst morgen, damit wir dann dort, den ganzen Tag vor uns haben. Es geht entlang der Südküste Finnlands, vorbei an Helsinki und immer Richtung Osten. Langsam bekommen wir ein mulmiges Gefühl im Bauch. Am späten Nachmittag, schneller als erwartet, sind wir dort. Vor uns die Grenzanlagen, reges Treiben, LKWs fahren an uns vorbei, auf dem nahen Rastplatz pausieren viele Russen. Wir sind beeindruckt und aufgeregt zugleich. Wir wollen ja heute noch nicht rüber (Gott sei dank!), also fahren wir ein Stück zurück, zum letzten Campingplatz vor der Grenze. Entgegen unseren Erwartungen ist hier kaum jemand, einige wenige Dauercamper verbringen den Abend in ihren Wohnwagen. Es gibt hier Mücken. Wir essen, holen uns noch Bier an der Rezeption und genießen den wundervollen Sonnenuntergang am Wasser. Wer weiß schon ob das so in den nächsten Tagen so möglich sein wird. Montag 14.06. Das erste Highlight dieses Abenteuers naht: Der Grenzübertritt in die RF! Beim Heranrollen an die Grenzanlagen scheint alles ganz normal. Wir haben ein sehr mulmiges Gefühl im Bauch. Reisepass, ein paar Fragen auf Englisch, gute Reise, und weiter! Die finnische Grenze ist unproblematisch. Geschwindigkeitsbegrenzung 40 km/h und dann lange nichts. Niemandsland! Die Randstreifen der Straße sind sauber gehakt. Dann der erste Schlagbaum. Ein Grenzposten mit Kalaschnikow im Anschlag mustert uns, schaut nach den Kennzeichen und händigt uns einen Zettel aus. Weiterfahrt! Wieder lange nichts. Ein zweiter Grenzposten, ähnliches Spielchen. Dann erreichen wir die eigentliche Grenze. Mehrere PKW stehen hier und warten auf ihre Abfertigung, alles Russen. Reisepass mit Visa vorzeigen, kein Problem! Wir bekommen mehrere Formulare zum Ausfüllen: Zolldeklaration in mehrfacher Ausfertigung. Gott sei dank steht alles auch in Englisch da. Dann lange anstehen und warten. Klar, wir brauchen noch eine spezielle Versicherung für die Motorräder, wussten wir schon. Wieder Papiere ausfüllen und anstellen. Zwischenzeitlich werden unsere Fahrzeuge kritisch beäugt. Sie stehen im Weg! Wir sollen die Motorräder auf die Sperrfläche schieben. Kein Problem! Als wir am Schalter wieder dran sind, sollen wir mit Rubel bezahlen. Dollar oder Euro nehmen sie nicht. Also wieder raus aus der Schlange und Geld tauschen. Wo? Aha, da vorne! Glücklicherweise müssen wir hier nicht anstehen. Wir tauschen 100 Dollar in Rubel. Welchen Kurs? Wissen wir nicht, ist alles in kyrillischer Schrift und auf Russisch. Soll aber so 1:30 sein. Na gut, wieder anstellen. Es fängt an zu regnen! Auch das noch! Obwohl es nicht sehr warm ist sind wir schon durchgeschwitzt. Aber nass werden wir ja sowieso, also was soll's. Wir sind wieder dran, bezahlen die Versicherung und bekommen die Versicherungsscheine. Was da drauf steht? Keine Ahnung, alles russisch. Dann stehen wir dumm rum, verständigen uns notdürftig auf Englisch. War das nun alles? Ein Grenzbeamter winkt uns hektisch, fuchtelt mit seinen Armen umher, wir sollen losfahren, gute Reise! Unsere Pässe sind voll mit Zetteln und Papieren, jetzt bloß nix verlieren. Kurz darauf der nächste Grenzposten. Einen der Zettel will er haben. Den Rest behalten wir bis zur Ausreise. Es scheint geschafft zu sein. Zumindest rollen wir ungehindert Richtung Osten. Am Straßenrand eine Geschwindigkeitskontrolle mit Radarpistole. Kein Problem, wir sind nicht zu schnell. Der Regen hat etwas nachgelassen. Es ist schon fast Mittag und die Aufregung hat uns hungrig gemacht. Also steuern wir den ersten russischen Imbiss an. Außer einige LKW Fahrer ist hier niemand. Der Imbiss ist gemütlich und macht einen sauberen Eindruck. In der Ecke steht ein Fernseher. Es läuft gerade ein russischer Spielfilm mit finnischen Untertiteln. Der Fernseher ist sehr laut eingestellt. Der Film handelt vom 2. Weltkrieg: Deutsche Soldaten erschießen gerade russische Zivilisten. Wir fühlen uns ein bisschen wie Angeklagte. Von uns nimmt jedoch niemand besondere Notiz. Wir bestellen uns je einen Fleischspieß mit Salat und russischen Kaffee. Das Essen schmeckt und hat uns satt gemacht. Als wir raus kommen schüttet es wie aus Eimern. Unter einem großen Sonnenschirm ziehen wir uns die Regensachen an. Die nächste größere Stadt, die wir anfahren ist Vyborg. Im strömenden Regen kurven wir durch die Straßen, und versuchen uns zu orientieren! Aussichtslos! Wir können die Schilder nicht lesen und haben alle Hände voll zu tun, den überaus gigantischen Schlaglöchern auszuweichen. Eigentlich wollten wir hier eine Internet-Kamera suchen und uns dort hinstellen, damit uns unsere Freunde und Bekannten aus Deutschland im Internet bewundern können. Es war aber gar nicht daran zu denken. Wir waren froh als wir am Bahnhof eine überdachte Tankstelle fanden. Das Tanken geht hier in der RF anders als bei uns. Zunächst schreiben wir auf einen Zettel wie viel Liter Benzin wir möchten, gehen damit zur Kasse und bezahlen. Erst danach wird die Zapfsäule freigegeben und wir tanken die Menge, die wir bezahlt haben. Es wird sicher seinen Grund haben, warum das so ist. Es regnet immer noch heftig und wir fallen auf. Passanten drehen sich nach uns um oder bleiben gar stehen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite hält ein Polizeiwagen. Scheinbar beobachtet der Polizist uns. Unser einziger Wunsch ist es, aus der Stadt heraus zu kommen. Ich lege einen Kompass auf die Sitzbank, grobe Richtung Nord-Ost! Mit Hilfe unseres GPS finden wir den richtigen Weg. Unser Weg führt uns zunächst über schlecht asphaltierte Strecken, später wandelt sich die Straße in eine breite Sandpiste. Für unsere Enduros eigentlich kein Problem, jedoch kommen wir nur langsam vorran. Wie im Rausch folgen wir stundenlang den Sandwegen, der Regen macht die Sache zu einer rutschigen Angelegenheit. Wir befinden uns in der tiefsten Provinz Kareliens. In den Dörfern herrscht vielfach tiefste Armut. Ein Großteil der Landbevölkerung lebt in armseligen Holzhütten oder heruntergekommenen Plattenbauten. Und immer wieder verlassene Industrieanlagen. Viele freilaufende Hunde lassen uns zügig die Dörfer durchfahren. Wir trauen uns nicht anzuhalten und Fotos zu machen. Einige Navigationsprobleme machten uns zu schaffen. Nach einer kurzen Irrfahrt standen wir weiter im Norden plötzlich wieder vor der russisch-finnischen Grenze. Schon spät am Abend, schlugen wir unser Nachtlager abseits der Straße an einem kleinem Feldweg auf. Die Stelle war ok, jedoch wurden wir von Schwärmen von Mücken regelrecht überfallen. Die Biester waren derart aggressiv, dass wir keine Sekunde länger als unbedingt nötig im Freien bleiben konnten. Völlig erschöpft von diesem ereignisreichen Tag und von Mücken zerstochen, flüchteten wir uns in unser Zelt. Dienstag 15.06. Am nächsten Morgen ist das Wetter besser und die Mücken sind weg. Nach einem deftigen Wurstbrot und einer Tasse russischen Kaffe in einer Kneipe, geht es weiter entlang des Ladogasee, dem größten europäischen Binnensee, nach Sortavalla und weiter Richtung Petrozavodsk. Nach anfänglich sehr schlechten Wegverhältnissen und einer abenteuerlichen Baustelle entwickelt sich die Strecke zu einer gut ausgebauten Schnellstraße, auf der 100 Km/h und mehr drin sind. Entsprechend zügig kommen wir voran. In Petrozavodsk müssen wir uns in einem größeren Hotel registrieren lassen. Dieses verlangen die russischen Behörden innerhalb von 72 Stunden nach dem Grenzübertritt. Außerdem brauchen wir Geld und Benzin. Petrozavodsk scheint eine wohlhabende Stadt zu sein. Zum Teil prunkvolle Bauten zieren die Innenstadt. Früher war hier eine berüchtigtes Arbeitslager. Die Verkehrsregeln sind nicht leicht zu durchschauen und so gibt es unter den Augen der Polizei eine Vollbremsung im Kreisverkehr und einen laut schimpfenden Busfahrer, der offensichtlich kein Verständnis für die motorradfahrenden Touristen hat. Überhaupt sind Motorradfahrer eine Seltenheit in Russland. Das macht den Straßenverkehr für uns gefährlich. Zunächst galt es eine Bank und ein Hotel zu finden. Nach einem längeren vergeblichen Verständigungsversuch mit einer Parkwächterin, trafen wir in einer Seitenstraße einen netten Russen, der uns sowohl eine Bank, wie auch den Weg zu einem Hotel auf einen Zettel aufmalt. Mit ein paar Brocken Englisch erzählte er uns, dass er Radfahrer aus Berlin getroffen habe, welche die gleiche Route wie wir fahren wollten. Wir kennen die Radfahrer bereits aus dem Internet. Sie sind ein Jahr zuvor diese Route gefahren und haben eine Internetseite darüber veröffentlicht. Die Sicherheitsvorkehrungen in der Bank sprengen jeden üblichen westlichen Standart. Auf dem Weg zur Kasse werde ich von einem Polizisten begleitet. Im Kassenraum hält sich nur die Bankangestellte hinter einer Panzerglasscheibe auf. Der Polizist wartet vor dem Kassenraum und begleitet mich anschließend wieder nach draußen. Offensichtlich eine gängige Praxis hier. Im Hotel fallen wir scheinbar sehr unangenehm auf. Der Hotelportier will uns kein Zimmer geben. Die Registrierung will er für etwa 780 Rubel durchführen, was für russische Verhältnisse ein Haufen Geld ist. Wir willigen ein, da wir keine Alternative haben. Aber es gibt Probleme. Ratlos blättert er unsere Papier durch und telefoniert. Wir werden unruhig. Nach einer Weile macht er dann doch einen Stempel und seine Unterschrift auf einen separaten Zettel und gibt uns unsere Papiere zurück. Wir hoffen das alles seine Richtigkeit hat. Wir verlassen die Stadt und fahren nordwärts auf der Magistrale Richtung Murmansk. Es ist schon spät und wir machen uns auf die Suche nach einem geeigneten Nachtlager. In Russland gibt es keine Campingplätze, vielleicht weil die einfache Bevölkerung weder Zeit noch Geld für Urlaub hat. Touristen gibt es im Prinzip keine, außer uns natürlich. Trotzdem entdecken wir ein Schild, das Ähnlichkeit mit unserem Camping-Hinweisschild hat. Wir fahren einen schmalen Feldweg entlang und gelangen zu einem Gelände, welches durch einen Wachposten in Tarnkleidung bewacht wird. Im ersten Moment denken wir an eine Kaserne. Eine junge Russin in pikfeiner Garderobe und mit Stöckelschuhen empfängt uns und bietet uns freigiebig ein lauschiges Plätzchen zum Zelten an einem idyllischen See an. Scheinbar befinden wir uns in einem Urlaubsareal der besseren russischen Gesellschaft. Geld wollte sie für unseren Aufenthalt nicht. Mittwoch 16.06. Am nächsten Morgen, wir liegen noch in unseren Schlafsäcken, kommt sie zu unserem Zelt und gibt uns in gebrochenem Englisch zu verstehen, dass in 30 Minuten ihr Chef käme und wir doch bis dahin verschwinden sollen, sonst bekäme sie großen Ärger. Das wollten wir natürlich nicht. Und somit sputeten wir uns an diesem Morgen und schafften es tatsächlich, in so kurzer Zeit unsere Sachen zu packen. Nach dem wir uns in einem russischen "Magazin" mit den notwendigsten Lebensmitteln und mit einem schnellen Frühstück am Straßenrand versorgt hatten, machten wir uns auf den endlosen Weg nach Murmansk auf. Die Magistrale geht fast 1000 Km schier geradeaus. Ortschaften sind selten und Tankstellen auch. Die Strecke ist zum Teil in einem grauenhaften Zustand. Schlaglöcher von sensationellen Ausmaßen sind eine ständige Gefahr für uns und unseren Motorrädern. Wir haben gelernt die Geschwindigkeitsbegrenzung "40 Km/h" ernst zu nehmen. Russische LKWs sind häufig in einem schrottreifen Zustand. Tief schwarze Rauchschwaden entweichen ihren Auspuffrohren und Bremsen haben sie scheinbar keine. Bedrohlich eiernde Räder sind keine Seltenheit. Autos fahren weiträumige Schlangenlinien um den Schlaglöchern auszuweichen. Einmal fuhren wir hinter einem alten Lada her, der urplötzlich und unvermittelt in die Bremsen ging. Hinter ihm, zwischen seinen Rädern tauchte ein badewannengroßes Schlagloch auf. Ich habe die Gabel meiner XT500 noch nie so krachen gehört und Andreas schoss mit einer Affengeschwindigkeit an mir vorbei. Er hatte es nicht mehr geschafft zu bremsen. In einer der wenigen Ortschaften machten wir kurz Pause. Ein russischer LKW rauschte mit hoher Geschwindigkeit an uns vorbei. Die Straße war an dieser Stelle leicht abschüssig. Plötzlich hörten wir einen Höllenlärm! Etwa 100 Meter entfernt kippte der ganze LKW auf die Seite. Wir trauten unseren Augen nicht. Er hatte die Kurve nicht gekriegt oder seine Bremsen hatten versagt. Um ein Haar hätte er eine Skulptur, aus Zeiten des blühenden Sozialismus, umgefahren. Trotzdem schafften wir an diesem Tag eine sehr lange Strecke. Diese gewaltigen Entfernungen und die endlose Landschaft beeindruckten uns sehr. Am späten Abend folgten wir wieder einem vielversprechendem Hinweisschild. Wir trafen auf eine kleine Siedlung Holzhäuser. Die Bewohner waren sehr nett. Sie erlaubten uns auf ihrem Grundstück zu zelten. Sogar ihr Badezimmer durften wir benutzen. Donnerstag 17.06. Weiter im Norden, schon oberhalb des Polarkreises, wird das Klima kühl. Das Wetter wechselt häufig zwischen Sonnenschein und Regen. Die Wälder verschwinden. In der Ferne sehen wir die Gebirgslandschaft der Kola-Halbinsel. An einer Steigung erleben wir dann eine Schrecksekunde. Andreas Motorrad steht unten und nix geht mehr: Leerlauf! Kein Vortrieb mehr. Die Antriebskette ist nicht mehr vorhanden. Scheinbar gerissen und dann verloren. Wir schieben die Motorräder an den sandigen Straßenrand, gehen ein Stück zurück um die Kette zu suchen. Sie liegt mitten auf der Straße. Es ist Gott sei dank noch niemand darrübergefahren. Bislang hatten unsere Motorräder erstaunlich gut gehalten. Außer Tanken, ab und zu etwas Kettenpflege und Ölkontrolle, war nichts zu tun. Aber nun ist Improvisieren angesagt. Eines der Kettenglieder ist durchgerissen. Unterhalb der Straße finden wir einen dicken Stein, auf dem wir die zerbrochenen Reste heraus kloppen. Ein Nietschloss für die Kette haben wir dabei. Das Vernieten am Motorrad stellt ein besonderes Problem dar. Normalerweise vernietet man die Kette ja im ausgebauten Zustand. Es wäre jedoch sehr langwierig gewesen, die Schwinge auszubauen. Mit viel Geduld gelingt das Vernieten doch. 2 Stunden haben wir für die Not-Reparatur gebraucht. Das nächste mal werde ich garantiert ein Clip-Schloss mitnehmen. In der Nähe von Moncegorsk ist Russlands Schwerindustrie angesiedelt mit katastrophalen Konsequenzen für die Natur dort. In einem Umkreis von etwa 10 Km wächst nichts Grünes mehr. Es sieht dort aus wie nach einem Atombombenangriff. Wir sind schockiert! Kurz vor Murmansk ist die Straße gesperrt. Die Polizei durchsucht uns nach Waffen. Besonderes Interesse zeigen die Ordnungskräfte für meine Werkzeugtasche. Nach dem sie alles inspiziert haben, können wir weiterfahren. Polizeikontrollen hatten wir öfters. Ich weiß nicht mehr genau wann und wo genau wir kontrolliert wurden, aber es war bestimmt 10-15 mal. Am Ortseingangsschild von Murmansk bleiben wir erst einmal stehen, machen Fotos und genießen diesen Moment. Nach kurzer Zeit halten zwei polnische Motorradfahrer neben uns. Mit ihren beiden BMW K100 sind sie von Polen hierher gefahren und wollten auf der gleichen Strecke zurück. Auch sie hatten Probleme mit den schlechten Straßenverhältnissen. Murmansk zählt etwa 400000 Einwohner und ist im Vergleich eine junge Stadt. Sie wurde erst etwa 1912 gegründet. Die Stadt verdankt ihre Existenz in erster Linie der russischen Nordmeerflotte, die hier stationiert ist. Die Mehrzahl der Arbeitsplätze haben direkt oder indirekt damit zu tun. Der Golfstrom sorgt das ganze Jahr für einen eisfreien Hafen und für gemäßigte Temperaturen. Im Sommer kann es durchaus 25 Grad warm werden. Wir haben leider nicht einen solchen Tag erwischt. Es ist ziemlich kalt. Gefühlte 6-8 Grad. Wir wissen es nicht genau. Mit unseren Motorrädern kurven wir durch die Stadt, versuchen uns einen Eindruck zu verschaffen, uns zu orientieren. An einem kleinen Marktplatz mit Verkaufsbuden halten wir an. Der Geruch einer Hähnchenbräterei steigt uns in die Nase. Schon viel zu lange haben wir auf eine solche Leckerei verzichten müssen. Jeder von uns verschlingt hastig ein halbes Hähnchen. Es schmeckt köstlich. Wir haben den Eindruck von allen Seiten beobachtet zu werden. Jeder Bissen wird uns in den Mund geguckt. Mehrere Kinder interessieren sich für unsere Motorräder, fassen alles an. Wir haben angst, dass sie etwas abbauen. Wir verständigen uns mit ihnen und machen ein Foto. Ein alter Mann will uns seine geernteten Produkte verkaufen. Auf dem Parkplatz stehen alte Ladas neben großen Luxuslimousinen. So ist das hier in Russland, entweder ist man arm oder sehr reich. Wir fallen sehr auf und das ist uns unangenehm. Wir beschließen aufzubrechen und die Stadt zu verlassen. Wir müssen wieder ein Stück zurück fahren, den Fluss "Kola" überqueren um die Route Richtung Westen, zum Grenzübergang Raja Jooseppi, zu finden. Die Strecke wirkt sehr verlassen, kaum ein Fahrzeug kommt uns entgegen. Zunächst ist die Straße noch gut. Doch um so mehr wir uns von Murmansk entfernen, umso schlechter wir die Strecke. Schließlich hört der Asphalt ganz auf. Auf einem Teilstück Schotterpiste, aus tennisballgroßen Brocken, haben wir Probleme. Entweder man fährt mit Vollgas drüber und riskiert große Schäden von den aufgewirbelten Steinen oder man fusselt sich so durch, steht dann aber ständig quer. Die Gegend hier scheint völlig ausgestorben zu sein. Als wir an den ersten Grenzposten kommen, wissen wir warum: Die Grenze ist schon seit 2 Stunden geschlossen und öffnet erst wieder am nächsten Morgen. Wir überlegen was wir machen wollen. Wenn wir Im finnisch-russischen Grenzgebiet übernachten, werden wir vielleicht von einer russischen Grenzstreife überrascht. Kein angenehmer Gedanke. Wir fahren ein paar Kilometer zurück und suchen uns einen sicheren Platz zum Zelten. An einem kleinen See werden wir fündig. Ende -- Teil 1 |
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